Manfred Assmann
Home Geschichten Gedichte Sketche Natur Länder über mich Kontakt Impressum
Eheglück

Ein Mann kommt von der Arbeit und geht die Straße entlang. Sein Blick fällt in ein Schaufenster, er sieht sein Spiegelbild. Ein müder, gestresster, zerzauster Mann blickt ihn an, Er streicht sich über das Haar und geht langsam weiter. Da sieht er gegenüber einen Friseursalon. Er bleibt stehen, überlegt und geht dann hinüber. Er bleibt vor dem Laden stehen. Lauter Bilder von frohen, gutaussehenden, frisch geföhnten Männern  blicken ihn an. Er streicht sich über das Haar und geht in den Laden.
Er setzt sich auf den Sessel. Ihm wird das Haar gewaschen, die Kopfhaut massiert, das Haar geschnitten, getrocknet, geföhnt und gekämmt. Die Miene des Menschen erhellt sich zusehends. Er ist ein anderer geworden. Wirklich. Die hohe Stirn ist zugekämmt und zugeföhnt, ein ganz neues Haargefühl. Der Friseur verabschiedet ihn mit den Worten:
„Da wird ihre Frau aber staunen, wie Sie sich verändert haben.“
„Ja, ja“, denkt er. Seine Frau, tja die wird Augen machen. das wird eine Überraschung sein. Und man sieht einen fröhlich, pfeifenden, erwartungsvollen Ehemann auf dem Weg zu seinem trauten Heim.
Er öffnet die Wohnungstür. Seine Frau steht in der Küche und ist gerade mit dem Abwasch beschäftigt. Er strahlt sie an und ruft freudig:
„Hallo Liebling.“
Seine Frau schaut nicht empor, sie sagt nur kurz:
„Hallo Liebling.“
„Hallo.“
Sie hat ihn dabei nicht einmal angeschaut. Und das gerade heute. Er fasst sich und sagt, und dabei wird seine Stimme deutlicher:
„Ja willst du mir nicht einmal einen Kuss geben?“
„Ja, natürlich, warum nicht.“
Der glückliche Zufall will es, dass sie mit dem Abwasch gerade fertig ist, und so geht sie zu ihrem Mann, gibt ihm einen flüchtigen Kuss, ohne ihn anzusehen und verschwindet im Wohnzimmesessel und beginnt zu stricken.
Es folgt ihr ein von der Arbeit gestresster und genervter Mann, dessen Ausdauer man aber nicht unterschätzen sollte, auch wenn er ihr nun etwas hilflos folgt und sich ebenfalls in einem Sessel niederlässt.
Er überlegt und klopft nervös mit den Fingern auf die Sessellehne.
Seine Frau bemerkt dies und blickt ihn an. Er blickt zurück. Sie blicken sich sekundenlang in die Augen. Ihm kommt es wie eine Ewigkeit vor. Jetzt müsste sie doch, er blickt sie erwartungsvoll an, und tatsächlich öffnet sie den Mund und sagt:
„Deine Zeitung liegt auf dem Fernseher, wie immer.“
Natürlich, wie immer, aber heute ist nicht wie immer. Er schluckt. Er will gar nicht Zeitung lesen. Seine Frau schaut ihn merkwürdig an. Schließlich steht sie auf, geht zum Fernseher, mimmt die Zeitung, gibt sie ihm und sagt leicht gereizt:
„Bitte, der Herr.“
Er bedankt sich nicht. Wofür auch. Dafür, dass sie wieder nur an ihm vorbeigeschaut hat. Er überlegt, Da kommt ihm eine Idee, er fängt an sein linkes Auge zu reiben und sagt:
„Liebling kannst du mal schauen, ich glaube ich habe da etwas im Auge“.
Seine Frau blickt ihn an, legt noch gereizter ihr Strickzeug wieder weg, geht zu ihm hin, schaut ihn an und sagt:
„Ich sehe nichts.“
„Doch hier im Auge – oder auch etwas höher.“
„Höher?“
„Ja mehr so in Richtung Augenbrauen – bei den Haaren.“
„Ich denke du hast etwas im Auge?“
„Ja, ja natürlich, oder vielleicht auch nicht, ich ...“
„Ich glaube du spinnst.“
Sie setzt sich wieder hin. Er denkt, vielleicht ist es doch besser erst einmal Zeitung zu lesen, nachher beim Essen oder heute Nacht, irgendwann wird sie sicher...So dumm kann sie doch nicht sein: Doch oft im Leben, wenn man schon fast resigniert hat, wenn man schon gar nicht mehr will, da kommt plötzlich ein Wink von aussen, und sei dies auch nur ein kleines Foto auf der Fernsehseite der Tageszeitung.
„Liebling, heute um 21:00 Uhr wiederholen sie wieder eine Krimifolge mit Kojak.“
„Ach.“
„Wie gefällt der dir eigentlich, der Kojak.“
„Wie soll er mir schon gefallen?“
„Ich meine so vom Aussehen.“
„Na ja wie so ein Kommissar halt ausssieht.“
„Nein, ich meine doch so ganz ohne.“
„Ohne?“, sie blickt ihn kurz an.
„Ja ohne!“, er blickt erwartungsvoll zurück und streicht sich dabei wie zufällig über das Haar.
„Ohne Lolly hab’ ich ihn noch nie gesehen.“
Es gibt Augenblicke, da ballt sich alles in einem zusammen. Und dann muss es raus. Anders geht es nicht mehr.
Er steht sprungartig auf, läuft zu seiner Frau und stellt sich vor sie hin. Sie erschrickt und sagt:
„Is was?“
„Ja“, schreit er.
„Ist was passiert“.
„Ja, Weisst du eigentlich, dass wir in einer ganz verrückten Welt leben!“
„So, steht das in der Zeitung?“
„Und das die Menschen heute immer mehr aneinander vorbeireden.“
„Deswegen bist du aufgestanden?“
„Und das die Menschen sich heute nicht einmal mehr ansehen.“
„Aber ich seh dich doch.“
„Und das dreißig Prozent aller Ehen schon nach drei Jahren wieder geschieden werden?“
„Aber wir sind doch schon im vierten.“
Er holt tief Luft, ganz tief. Jetzt muss es raus:
„Ich war beim Friseur!“
Seine Frau blickt ihn kurz an, dann strickt sie weiter und sagt:
„Ich auch.“
Urlaubsfrühstück

Monolog der Frau:

Ich sterbe vor Hunger, wann gehen wir endlich zum Frühstück.
Das Büfett hat schon seit einer halben Stunde auf.
Aber er trödelt immer noch rum.
Ich werde nie begreifen warum er morgens nicht in Gange kommt.
Stundenlang im Bad, ich weiß gar nicht für wen er sich schön macht.
Hier im Urlaub kennt uns doch keiner.
Sonst rasiert sich auch nicht stundenlang.
Und ich hänge hier mit knurrendem Magen.
Mein Gott, jetzt geht er auch noch aufs Klo.
Soviel kann der doch gar nicht essen wie oft der auf Klo sitzt.
Hoffentlich schläft er nicht auch noch ein.
Na endlich jetzt kommt er.
Das ganze Jahr freue ich mich schon darauf draußen zu frühstücken.
Oha, das sieht ja ziemlich voll aus auf der Terrasse.
Also rein setze ich mich nicht bei diesem schönen Wetter, das sage ich gleich.
Na super, draußen ist kein Platz mehr frei.
Und das nur wegen dieser Trödeltante.
Dann gibt es eben kein Frühstück.
Ich gehe jetzt und warte bis draußen wieder was frei ist.


Monolog des Mannes:

Warum muss man im Urlaub nur immer so früh aufstehen?
Ich weiß gar nicht was die das immer so eilig hat.
Läuft die ganze Zeit im Zimmer auf und ab. Wie so eine Aufziehpuppe.
Dass sie Hunger hat, hat sie nun schon mindestens dreimal gesagt.
Und wenn wir dann da sind isst sie nur ein halbes Brötchen, wegen der schlanken Linie.
Welche schlanke Linie eigentlich?
Ich gehe jetzt erst mal in Ruhe aufs Klo.
Soll sie doch alleine frühstücken gehen, dann habe ich wenigstens meine Ruhe.
Das Büfett hat bis 10 Uhr auf und jetzt ist es gerade erst halb neun.
Nun klappert sie auch noch mit dem Zimmerschlüssel. Wie so eine Klapperhexe.
Dadurch komme ich auch nicht schneller vom Klo.
Jetzt hat sie ihre Hackenschule an und läuft auf den Fliesen hin und her. Klick klack, klick klack, klick klack.
Wenn Sie wüsste wie albern sie ist.
Na ja ich will mal nicht so sein.
Oha ist ja ziemlich voll auf der Terrasse.
Na ja der erste Schwung ist ja auch noch nicht wieder weg.
Egal, Hauptsache Frühstück.
Was hat sie denn jetzt schon wieder?
Will nicht drinnen frühstücken.
Ich kriege die Krise.
Die Frau ist einfach nur peinlich.


Dialog: Warten auf einen freien Platz auf der Terasse:

M: Ich finde es total albern hier vor dem Hotel herumzulaufen.
F:  Ich frühstücke im Urlaub nicht drinnen.
M: Aber draußen war nichts mehr frei.
F: Das habe ich auch gesehen.
M: Und was machen wir nun.
F: Ich warte.
M: Ach.
F: Bis draußen was frei ist.
M: Das kann dauern.
F:  Ich habe sowieso keinen Hunger.
M: Vorhin bist du noch gestorben vor Hunger.
F:  Zuviel essen ist gar nicht gut für die schlanke Linie!
M: Für was? Ach so.
F: Es ist deine Schuld. Wir sind zu spät.
M: Wir sind zu früh, sonst wäre ja schon wieder was frei.
F: Wenn wir zu früh wären, wäre das Büfett noch gar nicht auf.
M: Ich habe Hunger.
F: Dann setzt dich doch rein.
M: Und du?
F: Ich warte.
M: Die anderen Gäste gucken schon alle.
F: Das ist mir doch egal.
M: Ich finde das megapeinlich.
F: Hier kennt mich keiner, die können mich alle.
M: Ich glaube ich muss noch mal auf Klo.
F: Was!
M: Ich gehe zum Klo.
F: Ich gehe jetzt frühstücken.
M: Es ist aber draußen nichts frei.
F: Das ist mir doch egal, ich sterbe vor Hunger!
Sketche

Ziehts’s Ihnen

 

Zwei Personen sitzen in einem Auto. Draußen ist es sehr heiß.

 

A: Affenhitze heute wieder, nicht wahr?

B: Ja.

A: Ich lüfte ein bisschen. Ist es Ihnen recht?

B: Ja doch, gewiss.

A: Ziehts Ihnen auch nicht?

B: Nein.

A: Wirklich nicht?

B: Nein.

A: Sie müssen nämlich wissen, meine Frau ist sehr zugempfindlich.

B: Ach.

A: Ja. Bei der darf ich nie ein Fenster öffnen.

B: So.

A: Ja, ja. Aber Ihnen macht die Luft nichts aus, oder?

B: Nein, nein.

A: Sie müssen aber sofort sagen, wenn es Ihnen zieht.

B: Es zieht aber nicht, wirklich nicht.

 

A: Ich habe mir auch mal Zug geholt. Im Zug.

B: Ach.

A: Ja, da war es auch so heiß bei uns und die Fenster waren auf, und ich, ich wollte auch nichts sagen, wegen der Hitze, und zack, hatte ich mir einen Zug geholt.
Aber Ihnen ziehts nicht, oder?

B: Nein, nein.

A: Aber sie müssen es sofort sagen, wenn es ihnen zieht, ich bin ihnen da überhaupt nicht böse.

B: Nein, aber es zieht wirklich nicht, ganz bestimmt nicht.

 

A: Zwei Tage konnte ich damals meinen Kopf nicht mehr bewegen, Nur wegen dem Zug. Haben Sie schon mal einen schiefen Hals gehabt?
B: Ja, doch.

A: Sind sie zugempfindlich?

B: Ach es geht eigentlich.

A: Zeihts Ihnen?

B: Nein.

A: Auch nicht so ein klein bisschen?

B: Nein, nein, es zieht kein bisschen.

 

A: Zwei Tage konnte ich damals den Hals nicht drehen. Immer musste ich mich mit dem ganzen Rücken umdrehen.

(dreht sich mir dem ganzen Körper um, und fährt dabei haarscharf an einem Baum vorbei.)

B: Vorsicht! Hilfe! (wird ganz blass)

A: Haben sie etwas gesagt?

B: Nein, nein.

A: Sie sind ja ganz blass, ist Ihnen schlecht?

B: Nein, nein nur ein bisschen komisch.

A: Haben sie Kopfschmerzen?

B: Etwas.

A: Ziehts Ihnen?

B: Nein!

A: Ich kann die Lüftung aber auch etwas kleiner stellen.

B: Nein, es zieht nicht!

 

A: Es gibt Leute, die haben eine ganze Woche Ohrensausen, wenn sie mal Zug gekriegt haben.

B: Ach.

A: Hatte Sie schon mal Ohrensausen?

B: Ja, gewiss.

A: Ziehts Ihnen?

B: Nein!

A: Wirklich nicht?

B: N E I N !!!

A: Mir macht die Hitze nichts aus, wenn es ihnen zieht.

B: Es zieht aber nicht!

A: Wirklich nicht?

B: Doch, doch! Es zieht fürchterlich, schrecklich, brutal. (Bricht zusammen).

A: Hab ich es doch gewusst. Sie sehen auch schon ganz blass aus. Hoffentlich werden Sie nicht krank.

Dabei hätte sie nur etwas zu sagen brauchen.

 

Sketche
Sketche